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Leistenschmerzen von der Niere

Heute möchte ich Ihnen meinen „Lieblingsmuskel“ vorstellen:den Muskel Iliopsoas (dt.: Hüftbeuger).

Psoas Muscles

 

Mit großer Wahrscheinlichkeit haben viele von Ihnen diesen Namen noch nie gehört und können sich auch gar nichts darunter vorstellen, weshalb ich hier eine Abbildung eingefügt habe-die roten Pfeile zeigen auf die einzelnen Teile des Hüftbeugers. Er besteht aus drei Teilen: dem Muskel Psoas major, dem Muskel Psoas minor und dem Muskel Iliacus. Die beiden Muskeln Psoas major und mir haben ihre Ursprünge am letzten Brustwirbel und an den Wirbeln der Lendenwirbelsäule. Der Iliacus entspring in der Beckenschaufel. Die drei Teile verbinden sich zu einem Muskel der dann mittels einer Sehne an der Innenseite des Oberschenkelknochens ansetzt.

Er ist ein äußerst wichtiger Muskel bei allen Beinbewegungen, und auch für die Stabilisation der Lendenwirbelsäule. Der Grund weshalb er mein Lieblingsmuskel ist ist der, da er der Auslöser für mein Interesse an den spannenden Zusammenhängen des Körpers war. Die Leser dieses Blogs, die mein Buch gelesen haben kennen ja meine Geschichte. Ich möchte auf den Muskel jetzt erstmal nicht weiter detailliert eingehen (das kommt sicher noch zu einem anderen Zeitpunkt in diesem Blog), denn heute geht es um etwas das auf diesem Muskel aufliegt: die Niere. Richtiger Weise muss ich sagen, dass die Niere am Psoas aufliegt.

Die Niere ist ein ganz wichtiger Teil des Harnsystems und hat u.a. folgende Aufgaben:

* Ausscheidung von Toxinen (Gift – oder landläufig auch Schlackenstoffe genannt) über den       Harn

* Regulation des Wasserhaushaltes im Körper

* Kontrolle des Elektrolythaushaltes und des Wäre Basen Haushaltes

Menschliche Nieren

Damit die Niere ihren Aufgaben gerecht werden kann, oder besser gesagt, damit die Niere überhaupt voll funktionsfähig ist, ist ausreichend Wasser im Körper notwendig. Je mehr Wasser im Körper vorhanden ist umso schneller können die Stoffwechselendprodukte aus dem Körper ausgeschieden werden. Eine weitere beinahe lustige Tatsache ist, dass die Niere entlang des Hüftbeugers rauf und runterrutscht. Das passiert durch die Atembewegung des Zwerchfells. Wenn man einatmet wird das Zwerchfell nach unten gedrückt wodurch auch die Nieren nach unten ausweicht. Bei der Ausatmung zieht sich das Zwerchfell wieder nach oben zusammen und macht wieder Platz, sodass die Niere wieder nach oben rutschen kann. Ich weiß nicht wer das wirklich gemessen hat, jedoch wird immer davon gesprochen, dass die Niere an einem Tag etwa 500-600m an Wegstrecke zurücklegt – ist also ein sehr aktives und bewegungshungriges Organ.

Diese Bewegung entlang des Hüftbeugers dient der Niere auch gleichzeitig als Stimulation, also als Unterstützung, für den Entgiftungsprozess. Ist die Niere beweglich genug, fördert das auch die Schadstoffausscheidung.

Da es im Körper nie nur einen einseitigen Nutzen gibt, hat auch der Hüftbeugen etwas von dieser Bewegung – auch er wird dadurch ein wenig stimuliert, im übertragenen Sinne fast „massiert“.

Soweit die physiologischen und anatomischen Gegebenheiten.

Was hat das nun alles mit Leistenschmerzen zu tun?

Stellen Sie sich vor, dass der unwahrscheinliche Fall eintrifft (zwinker) dass der Mensch dem diese Niere und dieser Hüftbeuger gehört, in den letzten Jahren nicht ausreichend Wasser getrunken hat. Neben zahlreichen anderer Auswirkungen im Körper hat der Wassermangel zur Folge, dass die Niere nicht ausreichend Flüssigkeit hat, um die Schadtstoffe über den Harn abzugeben. Die Niere versucht nun über andere Wege, die Schadstoffe loszuwerden und „schwitzt“ die Schadstoffe gewissermaßen aus – sie gibt sie an die Umgebung ab. Und die direkte Umgebung ist der Hüftbeuger – die Schadstoffe diffundieren in die Muskulatur.

Der Hüftbeuger ist durch die Schadstoffe nicht mehr voll funktionsfähig – und kann seine Aufgaben nicht zu hundert Prozent erledigen. (Anhand eines manuellen Muskeltests kann man diese Schwäche sehr gut feststellen) Die fehlende Aktivität wird nun von anderen Muskeln ausgeglichen – z.B. von dem Muskel Pectineus. Das hat wiederum zur Folge, dass die Bewegung in der Hüfte nicht mehr optimal verläuft, es kleine Abweichungen von der Ideallinie gibt. Geschieht dies über einen längeren Zeitraum, oder gehört dieser Hüftbeugen einem Läufer, einem Fußballer o.ä.,  können Leistenschmerzen die Folge sein, da die Hilfsmuskulutaur nicht für eine Dauerhafte Kompensation vorgesehen ist und sich als Folge entzünden kann.

Durch die Schadstoffansammlung in der Niere und im Hüftbeugen, wird der Bewegungsspielraum der Niere auch ein wenig eingeschränkt. Man kann auch von einer Art „Verklebung“ sprechen: die Auf- und Abbewegung ist vermindert. Dadurch fehlt wiederum die Stimulation der Niere und noch weniger Schadstoffe können ausgeschieden werden. Dem Hüftbeuger fehlt die Stimulation („Massage“) durch die Nieren. Ein Teufelskreis kann hier folgen-eine stetige Verschlechterung kann resultieren.

In der klassischen Sichtweise wird meist eine Bewegungstherapie verordnet, mit dem Ziel den Hüfbeuger zu Kräftigen. Da die Ursache der Schwäche jedoch nicht mangelndes Training ist sondern in dem oben beschriebene Fall mangelndes Wassertrinken, wird die Therapie nicht zielführend sein.

In diesem Fall ist ein Teil der Lösung auf jeden Fall, die Wasserzufuhr zu erhöhen. Meist ist jedoch noch eine Therapie direkt an der Niere notwendig. Die Niere muss wieder an die richtige Stelle geschoben werden, die Restriktionen („Verkabelungen“) müssen gelöst werden und die Bewegung entlang des Hüftbeugers dadurch wieder ermöglich werden.

Andere Ursachen für eine eingeschränkte Bewegung der Niere kann sein: ein Sprung von großer Höhe auf einen harten Untergrund. Wodurch die Niere impulsartig nach unten rutscht und dort manchmal „hängen“ bleibt. Die Auswirkungen sind die Gleichen wie oben beschrieben.

Weiter Beschwerden bei einer Fehlposition der Niere(n) können sein:

+ Schmerzen im Lendenwirbelsäulenbereich

+ Knieschmerzen

+ Schmerzen an der Achillessehne

+ Beschwerden in der Halswirbelsäule

 

Wie diese Zusammenhänge alle im Körper genau ablaufen …. das kommt alles im Laufe der nächsten Wochen/Monate/Jahre 🙂

In diesem Sinne: erhebe ich ein Glas Wasser und wünsche Ihnen ein gesundes „PROST“

Ihr Körperfunktionalist

J. Randolf

3 Kommentare

  1. Noni sagt

    bin gerade auf die site gestossen,
    und hellauf begeistert.

    leider sind die artikel scheinbar seit 2015 abgebrochen???

    sehr schade!!!!

    und für Deine ausbildung – seheeeeeer interessant die craniorichtung- fehlt mir derzeit das geld.

    Bin Shiatsupraktikerin (in GrazISSÖ gelernt) und arbeite sehr gerne, weil der körper von menschen und tieren derart genial ist……und ich noch soooo viel zu entdecken habe……….wer wohl wen steuert……

    lg und bin sehr an weiteren artikeln interessiert
    Noni

    • Johannes Randolf sagt

      Liebe Noni,
      vielen Dank für Dein Kommentar. Es freut mich, dass Dir die Beiträge gefallen – und ja, leider war es in den letzten beiden Jahren so extrem turbulent, dass ich es nicht mehr geschafft habe, Beiträge zu schreiben.(Die letzten beiden Jahren waren mit Vorträgen, Seminaren und Ausbildung-Kursen sehr gefüllt)ABER ich gelobe Besserung und werde wieder mehr Zeit dafür freischaufeln.
      Ich würde mich freuen, Dich irgendwann mal kennenzulernen – vielleicht klappt es ja mal mit einem Kurs, oder ich bin in Graz mit einem meiner Vorträge.

      Ich wünsche Dir einen schönen Sommer
      Liebe Grüße
      Johannes

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